Portrait Richard Jordan

Richard Jordan hat in seinem Berufsleben schon manche Höhen und Tiefen hinter sich gebracht: Nach dem Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität Darmstadt begann er 1993 seine Laufbahn in einer Unternehmensberatung. „Ich war hier unter anderem im Bereich Qualitätsmanagement eingesetzt“, erzählt der mittlerweile 50-Jährige. Im Jahr 2000 lockte dann die Aussicht auf eine eigene Firma. Mit einigen Kollegen machte sich Jordan selbstständig und gründete ein Internetportal zum Verkauf von Kino-Tickets.
Vom Start-up-Manager zum IHK-Innovationsmotor
Wie viele andere Jungunternehmer konnte auch Jordan seine Träume im Internet-Hype der Jahre 2000 und 2001 nicht realisieren. Jordan möchte diese Erfahrung trotzdem nicht missen. „Ich habe viel gelernt“, bilanziert er im Rückblick. Das Geschäftsmodell sieht er heute noch positiv: „Eigentlich eine solide Sache. In den USA ist so etwas gang und gebe.“ Der Verkauf der Kino-Tickets sollte wie bei der Bahn AG funktionieren: Der Kunde registriert sich, erteilt eine Ermächtigung zum Lastschrifteinzug und druckt sein Tickt zu Hause am Computer aus. Die kritische Kundenmasse wurde aber damals nicht erreicht.
Jordan entschied sich damals für einen Kurswechsel und heuerte bei der IHK Darmstadt an. Die unbändige Lust auf Neues ist bei ihm aber geblieben: Bei der IHK Darmstadt koordiniert er zwischen Hochschulen und regionalen Unternehmen. „Technologietransfer ist das Stichwort, das meine Aufgabe einfach und klar umschreibt“, betont Jordan.
Der typische Tagesablauf von Jordan umfasst daher neben dem Sichten von Akten und Nachrichten vor allem eines: Kontakte, Kontakte, Kontakte. Als lebender Know-how-Speicher ist er der Strippenzieher der südhessischen Wirtschaft in Sachen Innovation: Unternehmen A braucht eine wissenschaftliche Untersuchung eines Problems, Wissenschaftler B hat eine Erfolg versprechende Innovation und sucht ein Unternehmen – kein Problem für Jordan, den Mr. Netzwerk der südhessischen Forscher und Entwickler.
Viele Unternehmen unterschätzen das Know-how-Potenzial in der Region
„Es ist aber keineswegs so, dass wir Kontakte nur zwischen Unternehmern und Hochschulen vermitteln“, betont Jordan. „Oft verweise ich auch ein Unternehmen auf ein anderes.“ Anfang 2008 kam dann die Idee auf, die Unternehmen und Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der Automatisierungstechnik tätig sind, enger mit einander zu vernetzen. Daraus entwickelte sich das Netzwerk Automatisierungsregion Rhein Main Neckar, aus dem im Juli 2015  der gleichnamige gemeinnützige Verein hervorging. „Die Automatisierungsbranche ist prädestiniert für ein Clusternetzwerk“, so Jordan. „Die große technologische Breite und die mittelständisch geprägte Struktur erzeugen einen hohen Bedarf an unternehmensübergreifender und interdisziplinärer Zusammenarbeit.“
Durch seine Einbindung in die IHK Innovationsberatung Hessen ist sichergestellt, dass Jordan auch landesweit die gleichen Ziele wie in Südhessen verfolgen kann: Innovationsmotoren in Hessen an einen Tisch zu bringen und unbekannte Synergie-Ressourcen für die Wirtschaft zu kanalisieren. „Oft muss man nicht in Amerika oder Japan nach der Lösung eines Problems suchen. Sie kann sich auch in Groß-Umstadt oder Heppenheim finden“, betont Jordan.