Informationsveranstaltung "Duales Studium - Fachkräfte gewinnen und halten"
Artikel im Darmstädter Echo vom 06. September 2010
Ausbildung: Industrie- und Handelskammer informiert über duales Studium
Die Zahlen sind eindeutig: 36 000 Ingenieure fehlen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr laut einer Studie des Vereins deutscher Ingenieure (VDI). Im Zeichen des Fachkräftemangels stand daher auch eine Infoveranstaltung bei der Industrie- und Handelskammer zum Thema »Duales Studium«.
Dieses Hochschulstudium mit fest integrierten Praxisanteilen biete Unternehmen zusätzliche Chancen bei der Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter, erklärte Richard Jordan von der IHK:»Es ist eine gute Möglichkeit, um frühzeitig mit den künftigen Absolventen in Kontakt zu kommen.« Gerade kleinere Unternehmen könnten auf diese Weise zum Zug kommen. Doch auch für die Schulabgänger sei ein solches duales Studium mit Vorteilen verbunden. Denn viele von ihnen seien durch die Wirtschaftskrise und durch den Ingenieursüberschuss der Vergangenheit verunsichert. »Da könnte ein duales Studium bei den Studierenden für mehr Sicherheit sorgen.«
Auch Gabi Kreis vom Hanauer Technologiekonzern Heraeus streicht die guten Erfahrungen ihres Unternehmens mit dem dualen Ausbildungssystem heraus. Seit mehr als dreißig Jahren kooperiere Heraeus mit der Dualen Hochschule Mannheim. Vorteile seien die kurzen Studienzeiten und die flexible Anpassung der Studieninhalte an die Bedürfnisse des Arbeitgebers. Ein weiterer Pluspunkt: Das duale Studium sei für das Unternehmen deutlich günstiger als die Finanzierung einer Ausbildung.
»Wir übernehmen unsere Studenten in der Regel alle, sofern sie nicht von sich aus sagen, sie wollen weggehen«, sagte Kreis. Auf Nachfrage eines interessierten Besuchers erläutert sie außerdem, dass ein technisches Studium vom Unternehmen mehr individuelle Anpassung der Praxistätigkeit erfordert als ein kaufmännisches.
Bei der Vorstellung von vier Bildungsanbietern wurde deutlich, welche Möglichkeiten es gibt, ein duales Studium auszugestalten: Der Unterricht kann in Blöcken von einigen Monaten am Stück oder übers Jahr auf Abende und Wochenenden verteilt werden. Das duale Studium kann zudem den Abschluss einer Ausbildung beinhalten oder sich ganz auf das Erreichen des Bachelors konzentrieren. Die Studenten können sich dafür auch von der Berufsschule befreien lassen.
Bei der abschließenden Diskussionsrunde stand die fehlende Akzeptanz des Bachelor-Abschlusses bei den Studenten im Mittelpunkt. Im dualen System seien das frühere Diplom und der heutige Bachelor gleichwertig, wurde dabei deutlich. Auch bei der Bezahlung gibt es keinen Unterschied zwischen Bachelor und Master.
»Trotzdem fragen die meisten Studieninteressierten schon von Anfang an, wie sie einen Master machen können«, beklagt eine Unternehmensvertreterin. Andere Unternehmen haben die gleiche Erfahrung gemacht. »Ich halte das für ein vorübergehendes Phänomen«, beschwichtigte daher Uwe Faust, Professor an der Provadis Hochschule. Sobald sich der Bachelor eine Weile im Berufsalltag bewährt habe, werde sich auch sein Ruf verbessern.
